In der Ruhe liegt die Kraft

Der Himmel ist trüb, die Luft kühl und die Bäume wiegen sich in den Nachwehen eines morgendlichen Sommergewitters. Ein Wetter bei dem sich andere am liebsten zuhause verkriechen, doch für die Athlet*innen von Special Olympics Bayern geht es heute um’s Ganze. Die Sprinter begeben sich in Startposition. Der Startschuss hallt durch die jubelnde Menge, durch die sich Daniel Weinert mit einem breiten Grinsen selbstbewusst einen Weg bahnt.

Bei Special Olympics ist er bereits zum sechsten Mal und tritt dieses Jahr mit anderen Menschen mit und ohne geistiger Behinderung in den Disziplinen Kugelstoßen und Hochsprung an. Die finalen Leichtathletik-Wettbewerbe bereiten ihm keine Sorgen. Er geht ganz entspannt an die Sache ran: „Normale Sportwettkämpfe sind meistens eher verbissen, es geht nur um den Einzelsportler und es müssen immer 100% gegeben werden. Bei SOBY pushed man sich gemeinsam durch die Konkurrenz und die Hauptsache ist dabei zu sein und Spaß zu haben.”

Plötzlich ertönt eine dudelnde Musik. Daniel nimmt den Anruf an und hört konzentriert zu ­- es gibt Fragen zur weiteren Planung. Sein Blick schweift über das Gewusel der Regensburger Sportanlage am Weinweg, während er unbeirrt seine Sportlergruppe koordiniert.

Daniel Weinert, Leichtathlet des Integrativen Sportvereins SG Handicap Nördlingen (Bild: Gleich/Steiper)

So richtig dabei ist der 28-Jährige seit er seine Leichtathletik-Trainer Gudrun und Andreas Eder vor zehn Jahren im Training bei Quelle Fürth kennenlernte. Da Daniel neben dem Sport auch pflichtbewusst seiner Arbeit als Landmaschinenmechaniker nachgeht, musste das Training aber zeitweise warten. In dieser Zeit erfüllte sich Daniel auch seinen Traum vom eigenen Quad.  Mit Glück stieß er auf eine gebrauchte „700 Raptor Yamaha“, die er abseits der Arbeit nach seinen Vorstellungen umgebaut hat. Mit leuchtenden Augen schwärmt er von der Maschine: „4 Zylinder, 142 PS, 200 km/h kann man da schon fahren“.

Ein zufälliges Treffen mit Andreas vier Jahre später fachte die Lust auf Sport wieder an. Seitdem steht das samstäglichen Einzeltraining fest in seinem Terminkalender. Für Daniel kommt an die beiden niemand ran, „die harmonieren klasse, die wissen einfach was ein Athlet braucht.” Sein Trainer nimmt einen besonderen Stellenwert in seinem Leben ein. Verschmitzt erzählt er, was es mit seinem T-Shirt auf sich hat – ein sportlich geschnittenes Shirt mit buntem Diskuswerfer-Print. „Ich musste direkt an Andi denken und dachte, er freut sich wenn ich ihm auch eins mitnehme.“

Von der Zukunft will sich Daniel überraschen lassen. Er verrät jedoch, dass er unbedingt die Special Olympics Weltspiele angreifen will, die kommendes Jahr in Berlin stattfinden. Für diesen Meilenstein würde er ohne Zögern seine Hobbies und die Arbeit hinten anstellen. Im Sport kann Daniel seine Grenzen überwinden und das gewonnene Selbstvertrauen auch in den Alltag übertragen. Denn wenn es im Training „einmal klick gemacht hat, fühlt es sich wie Zauberei an.“

 

Text: Bastian Gleich/Leandra Steiper